105. Berliner Sechstagerennen - Tag 1

Die Räder rollen wieder im Velodrom unter neuer Führung

- Im Rahmenprogramm der 105. Sixdays überzeugt der Berliner Nachwuchs -

Als um 19.55 Uhr vor laufenden Fernsehkameras der offizielle Startschuß des 105. Berliner Sechstagerennens durch den Innensenator Frank Henkel, zwei aus dem Publikum ausgesuchten Zuschauern und dem Geschäftsführer Mark Darbon vom neuen Besitzer des Berliner Sechstagerennens, der Madison Sports Group, erfolgte, war wie in fast allen Jahren zuvor die Halle wieder gut gefüllt in Erwartung eines tollen Events.

Das Sechstagerennen nimmt nach wie vor einen wichtigen Platz im Berliner Veranstaltungskalender ein, sowohl sportlich als auch gesellschaftspolitisch und feiert dabei mit der jetzt 20. Austragung im Velodrom ein kleines Jubiläum.

Doch bevor die Profis ihre Arbeit aufnahmen, war der in Berlin stets zahlreich vertretende Nachwuchs schon vorher an der Reihe. In zwei Vorläufen der Jugendklasse U 17 über 30 Runden mussten sich 34 Fahrer in einem Punktefahren für den Endlauf der 24 Besten qualifizieren, der dann vom Berliner Nachwuchs trotz starker internationaler Besetzung aus Dänemark und Österreich sowie vielen Akteuren aus mehreren Bundesländern beherrscht wurde.

Mit Calvin Dik vom RSV Werner Otto mit 23 Punkten vor Elias Richter vom Marzahner RC 94, der auf 20 Punkte kam, gab es einen Doppelsieg zu feiern, als sie die starken Dänen Frederik Wandahl und Victor Fuhrmann Desimpelaere hinter sich lassen konnten. Aber auch die Fahrer des SC Berlin, Maurice Ballerstedt auf Rang fünf und Fabian Dreier als 7. boten eine überzeugende Leistung, vervollständigt durch den 10. Platz von Eleonora Schütz von der NRVg. Luisenstadt als beste weibliche Teilnehmerin.

Im UIV-Cup der Klasse U 23 mit 18 Teams aus 11 Nationen stand zunächst ein Punktefahren über 80 Runden mit Ablösung nach der Hälfte der Distanz auf dem Programm, das Marcel Franz vom LKT Team Brandenburg mit seinem dänischen Partner Elias Helleskov Busk, der zuletzt in Bremen siegreich im UIV-Cup war, vor den starken Belgiern Lorenzo Blomme/Bryan Boussaer gewann. Auf Platz acht und neun landeten die Berliner Teams vom KED-Stevens Rad Team Erik Schubert/Moritz Malcharek und Sebastian Schmiedel/Max Sommerfeld, während für ihre Teamkameraden Christopher Schulz/Jeremy Lendowski nur Platz 15 übrig blieb. Das finale Madison über 20 Minuten gewannen erneut Marcel Franz und Elias Helleskov Busk, aber hier zeigten Erik Schubert und Moritz Malcharek mit einem tollen zweiten Platz ihre Klasse und nahmen damit nach dem 1. Tag in der Gesamtwertung den dritten Platz hinter Marcel Franz/Elias Helleskov Busk und den Belgiern Lorenzo Blomme/Bryan Boussaer ein, die hier mit einem Sieg noch den gesamten UIV-Cup der Saison 2015/16 gewinnen könnten. Noch liegen 14 Paare in einer Runde, darunter auch Sebastian Schmiedel/Max Sommerfeld auf Rang 9 und Christopher Schulz/Jeremy Lendowski, die den 13. Platz einnehmen.

In den Rahmenwettbewerben der Sprinter und Steher waren ebenfalls Berliner Fahrer im Blickpunkt des Interesses. Bei den Sprintern führt der in Berlin lebende und trainierende Robert Förstemann nach seinem Sieg im Rundenrekordfahren in 12,746 Sekunden, dem zweiten Platz im Sprint hinter Erik Balzer und dem dritten Rang im Keirin hinter Damian Zielinski aus Polen und Pavel Kelemen aus Tschechien mit 15 Punkten vor Erik Balzer, der mit 14 Punkten ebenso wie Damian Zielinski mit 13 Punkten noch alle Chancen auf den Gesamtsieg besitzt.

Das spannende Steherrennen wurde unter dem Jubel der Zuschauer eine Beute des Berliner Lokalmatadoren Marcel Bartsch, der in einem kräftezehrenden Schlussspurt den favorisierten Deutschen Meister Stefan Schäfer und den US-Boy Zachary Kovalcik niederrang. Im Ladies Cup 2016 unterstrich die sympathische Polin Malgorzata Wojtyra ein weiteres Mal ihre Ausnahmestellung mit den Siegen Punkte- und Ausscheidungsfahren, so dass sie den Wettbewerb mit 2 Punkten souverän vor der Norwegerin Anita Yvonne Stenberg, der Britin Neah Evans und der Tschechin Jarmila Machacova, die alle 7 Punkte auf ihrem Konto haben, anführt. Beste Deutsche ist auf Rang 7 unter 18 Starterinnen Laura Süßemilch, die aber mit 20 Punkten kaum noch eine Podiumsplatzierung erreichen dürfte.

Eine nicht ganz so erwartete Konstellation zeigt sich nach der ersten Nacht der Profis, die besonders von zwei Teams geprägt wurde, die nicht unbedingt zu den Sieganwärtern zu zählen sind. So führen die Niederländer Yoeri Havik/Nick Stöpler nach Punkten vor den Topfavoriten Kenny de Ketele/Moreno de Pauw aus Belgien und den nahezu sensationell gestarteten Briten Germain Burton/Mark Stewart. Mit den jungen Briten durfte man in dieser Form so nicht rechnen, sie hielten in den Jagden voll dagegen und gewannen darüber hinaus noch das Scratchrennen. Hier wächst offensichtlich ein Spitzenteam heran, das besonders Mark Darbon viel Freude bereitet haben dürfte.

Ebenfalls in der Nullrunde liegen die Lokalmatadoren Roger Kluge/Marcel Kalz, die französisch/spanische Mannschaft Morgan Kneisky/David Muntaner und die Dänen Alex Rasmussen/Jesper Mörköv, während der erstmalige Sechstagesieger von Bremen, Christian Grasmann mit seinem Partner Nico Heßlich mit nur einer Verlustrunde als 7. noch aussichtsreich im Rennen liegt. Die zunächst in der kleinen Jagd, die Yoeri Havik/Nick Stöpler gewannen, etwas verhalten fahrenden Roger Kluge/Marcel Kalz trumpften dann in der großen Jagd auf, die sie allein mit Rundenvorsprung dominierten. Der gerade erst von der Tour Down Under zurückgekehrte Roger Kluge hatte seinen Bahntritt allmählich gefunden, als er den zweiten Dernylauf gewinnen konnte, nachdem der Belgier Kenny de Ketele im ersten Lauf des Derny Europacups seinen Bremer Partner Christian Grasmann in einem spannenden Zweikampf niederrang.

Einige kleine kritische Anmerkungen bleiben dennoch zu konstatieren: an einem Wochentag, an dem schon die Mehrzahl der Zuschauer ab 22.30 Uhr die Halle verließ, sollte man das Herzstück eines Sechstagerennens, die große Jagd über 45 Minuten, nicht am Schluss des Programms stellen, wo nur noch 1.000 Unentwegte von immerhin rund 11.000 Zuschauern bei Beginn der Veranstaltung anwesend waren. Ganz abgesehen davon, dass die für ursprünglich 23.45 Uhr angesetzte Jagd auch erst mit rund halbstündiger Verspätung begann. Negativ fiel auch seitens etlicher Besucher auf, dass die Mannschaften 3 und 5 trikotmäßig fast nicht zu unterscheiden und die Rückennummern nahezu sämtlicher Teams von der Tribüne aus kaum zu identifizieren waren. Hierüber sollte gerade im Zuge der gewünschten Neugewinnung eines jüngeren Publikums unbedingt nachgedacht werden.

Insgesamt hat aber die erste Nacht bereits wieder gezeigt, dass dieses großartige Event vom Publikum unverändert angenommen wird, was sich in den kommenden Nächten mit Sicherheit bestätigen dürfte.

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