Bahn-WM in Apeldoorn mit fünf Berlinern

- Mammutprogramm für Maximilian Beyer -

Vom 28. Februar bis 04. März 2018 findet der nächste Höhepunkt im Radsport im niederländischen Apeldoorn statt, wo es zur Austragung der Bahnweltmeisterschaften kommt. In insgesamt 20 Disziplinen messen sich Frauen und Männer, wobei der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) vor allem im Kurzzeitbereich Medaillenchancen besitzt. Aber auch der zuletzt stark verbesserte Ausdauerbereich geht mit einigen Erwartungen an den Start, die nicht unbegründet sind.

Für diesen Bereich kommen auch vier Athleten aus Berlin zum Einsatz, wie zum Beispiel bei den Frauen Charlotte Becker in der Mannschaftsverfolgung und im Punktefahren oder bei den Männern Maximilian Beyer im Omnium, Scratchrennen und Punktefahren, Theo Reinhardt im Madison und in der Mannschaftsverfolgung sowie Roger Kluge im Madison. Das Berliner Quintett wird vervollständigt durch den Sprinter Robert Förstemann, der für den Teamsprint an der Seite von Joachim Eilers und Maximilian Levy vorgesehen ist.

Alle fünf in Berlin beheimateten Athleten haben durchaus reelle Medaillenchancen, die sie nutzen wollen. Für die Teamsprinter in Person von Robert Förstemann geht es um Wiedergutmachung, denn der im letzten Jahr in Hongkong erzielte 12. Platz stellte nach der Bronzemedaille in London 2016 eine absolute Enttäuschung dar, die sich so nicht wiederholen sollte. In Apeldoorn wird Robert Förstemann seine vielleicht letzte internationale Chance erhalten, um sich noch einmal in der Weltelite der Sprinter präsentieren zu können. Zum Aufgebot im Teamsprint gehören außerdem auch der ehemalige Weltmeister in dieser Disziplin Stefan Bötticher und Eric Engler, die im Falle des Ausfalls eines vorgesehenen Fahrers als adäquater Ersatz zur Verfügung stehen.

Nur einen Wettbewerb wird Roger Kluge bestreiten, der für das Madison an der Seite von Theo Reinhardt vorgesehen ist und dort durchaus Chancen für das Podium besitzt. Beide haben zuletzt bei den Six Day Berlin mit einem hervorragenden dritten Platz aufhorchen lassen und wollen die Revanche gegen die dort zweitplatzierten Belgier Kenny de Ketele/Moreno de Pauw. Von den Berlin-Siegern Yoeri Havik/Wim Stroetinga aus den Niederlanden wird nur Wim Stroetinga am Start sein und den Titelkampf mit Roy Pieters in Angriff nehmen, so dass seine Siegchancen minimiert sind. Weltmeisterschaften im Madison haben im Vergleich zu den Sixdays bekanntlich ihre eigenen Gesetze und mit einer Topleistung in einem Finale über 50 km sind immer wieder Überraschungen möglich. Als Titelverteidiger gehen Morgan Kneisky/Benjamin Thomas aus Frankreich ins Rennen und auch die Zweiten des Vorjahres Cameron Meyer/Callum Scotson aus Australien sind wieder zu beachten. Dabei sollte man auch die jungen Dänen Niklas Larsen/Casper von Folsach und die Polen Daniel Staniszewski/Wojciech Pszczolarski auf der Rechnung haben, die allemal für eine Überraschung gut sein können.

Für Theo Reinhardt steht neben dem Madison vor allem die Mannschaftsverfolgung auf dem Programm, wo das Quartett des BDR leider auf Domenic Weinstein verzichten muss, der nach Krankheit und Knieproblemen nicht rechtzeitig wieder fit geworden ist. Damit sind die Chancen auf eine Medaille für den Vierer gesunken, für den noch der junge Felix Groß, Kersten Thiele sowie Nils Schomber und Maximilian Beyer zur Verfügung stehen. Auf Maximilian Beyer könnte somit ein Mammutprogramm zukommen, denn auch für das Omnium, dem Punktefahren und dem Scratchrennen ist der Berliner vorgesehen, dem in allen Disziplinen einiges zuzutrauen ist. Mit seinen erst 24 Jahren verfügt er schon über eine beachtliche Liste an Erfolgen, die er bei den diesjährigen Titelkämpfen noch ausbauen möchte. Deutsche Meistertitel im Scratch und im Omnium sowie jeweils dritte Plätze bei der Weltmeisterschaft (2015) und Europameisterschaft (2017) im Punktefahren haben seine Vielseitigkeit schon mehrfach unter Beweis gestellt. Darüber hinaus war er schon Vize-Europameister 2012 und Deutscher Meister 2016 in der Mannschaftsverfolgung.

Für Charlotte Becker werden die Trauben in Apeldoorn ein wenig höher hängen, obwohl auch für sie aufgrund ihrer großen Erfahrung insbesondere im Punktefahren eine gute Platzierung möglich ist. In der Mannschaftsverfolgung an der Seite von Lisa Brennauer, Franziska Brauße und Gudrun Stock gilt es, den enttäuschenden 14. und letzten Platz aus dem Vorjahr zu verbessern, wenngleich die international starke Konkurrenz aus den USA, Großbritannien, Kanada, Italien, Neuseeland, Frankreich oder Polen eine hohe Hürde darstellt. Als Deutsche Meisterin 2016 im Punktefahren, wo sie in den Jahren 2004 und 2005 in der Klasse U 23 sogar zweimal schon Europameisterin war, besitzt die aktuelle Deutsche Meisterin im Omnium, Charlotte Becker, aber durchaus berechtigte Chancen für eine eventuelle Podiumsplatzierung in ihrer Spezialdisziplin.

Wir hoffen, dass alle Aktiven aus unserem Landesverband gut vorbereitet sind und sie ihre selbst gesteckten Ziele erreichen. Dazu wünschen wir ihnen viel Erfolg und würden uns über das ein oder andere Edelmetall sehr freuen.

 

Bernd Mülle     

Bilder: Privat 

 

   

 

 

 

 

 

  

 

  

 

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