Berliner Radsport Verband verzehrt sich

 

- Tacheles bei der Jahreshauptversammlung des BRV –

Es wurde bei der Jahreshauptversammlung (JHV) des BRV Klartext geredet und das artete teilweise in einer Schlammschlacht aus, die man bisher nur von den Crossrennen im Winter her kannte. Die durchaus streitbaren Punkte, die mangels fehlender Hauptausschußsitzung im voraus nicht zu klären waren, führten zu einer JHV, die sage und schreibe von 11.05 Uhr bis 16.10 Uhr andauerte und in einer solchen Länge ihresgleichen sucht.

Schon die Begrüßung durch den amtierenden Präsidenten Ralf Zehr ließ erahnen, dass es genügend Zündstoff geben wird, insbesondere auch aufgrund des fehlenden, schriftlichen Berichts des Präsidenten. „Der sehr umfassende Bericht wird nachgereicht und allen zur Verfügung gestellt“, betonte Ralf Zehr, der vorab mitteilte, dass es Neuerungen im BRV geben wird, um den Verband ein festes Fundament zu geben. Dabei wird die Zusammenarbeit von Senat, BRV und dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) im Mittelpunkt stehen, die bei möglichen Radsportveranstaltungen auch auf die Unterstützung der SCC Event GmbH zukünftig zurückgreifen können. Überdies gibt es von der GASAG unter Gasag-Velostrom ein Angebot für die Rad-Community, das anlässlich dieser JHV vom Bereichsleiter Vertrieb Martin Ridder vorgestellt wurde und vor allem dem Nachwuchs zugute kommen soll.   

Ein weiterer Gast war der Vizepräsident des Brandenburgischen Radsportverbandes, Detlef Uhlig, der in seinen Grußworten  von gleichen Problemen und Sorgen sprach, aber auch einige positive Dinge erwähnte, wie den in diesem Jahr stattfindenden Weltcup im Trial, der Mitte Oktober auf dem Flughafen Tempelhof zur Austragung kommen und neben dem Bahn-Weltcup Ende November im Velodrom, wo die JHV jetzt erstmals stattfand, eines der herausragenden, radsportlichen Events sein wird. „Eine gemeinsame Vorstandssitzung von Brandenburg und Berlin wäre ein Schritt nach vorn“, gab er zu Protokoll, bevor Berlins Radsportpräsident einige Ehrungen vornahm.

Für langjährige Mitgliedschaft im BDR (70 Jahre) wurde Wolfram Paul vom BRC Semper mit der Goldenen Nadel des BDR ausgezeichnet und für den unermüdlich für den Radsport tätigen Michael Lemke vom Marzahner RC 94, der auch an einem neuen Internetauftritt arbeitet, gab es ebenso die Ehrennadel des BRV in Gold wie für den langjährigen Trainer Horst Müller von der NRVg. Luisenstadt und den scheidenden Pressewart Bernd Mülle. Für sein Lebenswerk als langjähriger Trainer im Nachwuchsbereich beim SC Berlin erhielt Klaus Wagner eine Medaille von der KPM, der Königlichen Porzellan Manufaktur Berlin. Erwähnenswert auch der Fair-Play Preis 2018 aus einer privaten Spende für das seit einiger Zeit von Radsporteltern betriebene Catering bei Veranstaltungen, wo die Erlöse in die Nachwuchsarbeit einfließen.  

Bei dem Bericht des Präsidenten fehlten einigen Mitgliedern konkrete Vorstellungen, wie es mit dem Radsport in Berlin weitergehen soll. Die Diskussionen waren heftig und dabei zeigte sich wieder einmal die Uneinigkeit im Verband, wo es nicht um Radsport, sondern eher um eigene Befindlichkeiten einzelner Mitglieder ging. Das neu zu wählende Amt des Pressesprechers war z.B. zum Scheitern verurteilt, da es nach wie vor an einer neuen Satzung fehlt, die etliche Vereinsmitglieder im vorigen Jahr mit zum Teil lächerlichen Argumenten platzen ließen. Man darf gespannt sein, ob der sich stets für den Radsport stark engagierende Hein-Detlef Ewald vom RC Charlottenburg seine Behauptung wahr macht und einen neuen Satzungsentwurf vorlegt. Verärgert gab er seine Urkunde als Ehrenmitglied zurück und strich kurzerhand sein schon lange geplantes Eröffnungsrennen am 15.04.2018 aus dem Veranstaltungskalender, da am gleichen Tag ein weiteres Radrennen der Velomesse auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof stattfindet.

Nach den Berichten des Schatzmeisters und der Kassenprüfer, die im Berichtszeitraum Schwerstarbeit aufgrund kommender, neuer Strukturen im Finanzwesen zu verrichten hatten und dennoch ein positives Ergebnis präsentieren konnten, wurde letztlich auch der Vorstand mit 526 Stimmen bei 71 Nein-Stimmen und 229 Enthaltungen entlastet und dem Haushaltsplan 2018 die.Zustimmung mit 621 Stimmen bei 190 Enthaltungen und 15 Nein-Stimmen erteilt. Die folgenden Wahlen waren zum großen Teil einstimmig: Werner Otto als Fachwart für Bahnrennsport, Sascha Looke als Zeugwart, Michael Braun als Fachwart für Breitensport, Konstantin Henschen als neuer Fachwart für Mountainbike und der Kassenrevisor Ralf Feuerbaum waren zu wählen, während Joachim Schlaphoff in seinem Amt als Fachwart für Kunstradsport bestätigt wurde. Für das Schieds- und Ehrengericht wurden Horst Brenner und Hans-Joachim Schubert für zwei verstorbene Mitglieder neu gewählt, ebenso wie als Ersatzmitglied Sina Päske. Ein Jugendleiter musste nicht bestätigt werden, da im Jugendausschuss sich kein Kandidat zur Wahl gestellt hatte. Der Posten des Pressewartes blieb vakant, aber mit Robert Burkhardt stellte sich ein zukünftiger Kandidat als dann neu zu wählender Pressesprecher vor, der als Netzwerker u.a. bei Hertha BSC Erfahrungen sammeln konnte und für bessere Vermarktung des BRV sorgen möchte. Zunächst wird der Bereichsleiter der Velokonzept Saade GmbH ehrenamtlich dem BRV zur Seite stehen.

Wollen wir hoffen, dass es gelingt, den BRV in zukünftig ruhiges Fahrwasser zu führen, aber dazu benötigt es die Mitarbeit aller Vereine, die sich dringend in kompetenter Runde zusammensetzen müssen, wie es Hans-Joachim Schubert noch einmal zum Abschluß zu Recht forderte. Aber nicht nur Reden, sondern vor allen Dingen Machen kann nur im Focus stehen, denn die Sportler-/innen, um die es geht, dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Die Verantwortung aller für den Nachwuchs ist gefragt und dessen sollten sich alle bewusst sein. Nur gemeinsam kann der Verband bestehen, ansonsten ist der Fortbestand zum Scheitern verurteilt. Daran erinnerte auch abschließend der Ehrenpräsident Wolfgang Scheibner mit klaren Worten, als er vor allem die Probleme in der Kommunikation ansprach, die es zu lösen gilt. „Wir werden einen Weg finden und dafür sorgen, dass die kommende Saison besser läuft als zuletzt“, stellte Ralf Zehr mit seinem Schlusswort fest.

 

Bernd Mülle

       

 

              

 

       

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