Luisenstadts Syrer werden immer stärker

Luisenstadts Syrer werden immer stärker

- Nazir Jaser siegt in Strausberg und Yalmaz Habash wird Dritter –

Es begann am 28. Mai dieses Jahres, als die syrischen Flüchtlinge der NRVg. Luisenstadt erstmals in Berlin ein Straßenrennen als C-Fahrer beim Lichterfelder Rundstreckenrennen absolvierten. Fünf Radsportler aus Syrien hatten zuvor in den Reihen des Neuköllner Radsportvereins eine neue Heimat gefunden, dabei tatkräftig unterstützt vom zweiten Vorsitzenden Frank Röglin, der von Beginn an Nazir Jaser, Tarek Al Moakee, Naim Masri, Nabil Allaham und Yalmaz Habash als Ansprechpartner zur Verfügung stand. Inzwischen sind sie alle bestens im Verein integriert, besuchen Integrationskurse und können sich teilweise in deutscher Sprache schon gut verständigen.

Zunächst absolvierten sie ihre ersten Trainingsrunden im Oktober 2015 auf der Bahn im Berliner Velodrom, wo ihnen die Räder vom Landestrainer Dieter Stein zur Verfügung gestellt wurden. Kein Geringerer als Maximilian Beyer, Bahnspezialist im Omnium, Scratch,  Punktefahren und Mannschaftsverfolgung, stand ihnen seinerzeit zur Seite, um ihnen die Kniffe des Bahnradsports beizubringen. Sie alle waren in ihrer Heimat ausschließlich auf der Straße aktiv und hatten daher vor den Steilkurven des Velodroms gehörigen Respekt. Bis zum Monat April dieses Jahres haben sie ausschließlich auf der Bahn trainiert und mittlerweile an den Bahnpokalrennen des Landesverbandes Berlin mit zum Teil schon guten Platzierungen teilgenommen.

Gesponserte Straßenräder wurden ihnen dann über den Landessportbund Berlin überreicht, mit denen ein gezieltes, regelmäßiges Straßentraining möglich war. Der erste rennmäßige Einsatz erfolgte dann in Lichterfelde, wo ihr Bester, Nazir Jaser, einen guten 17. Platz belegte und dabei immerhin auf Fahrer wie Marcel Kalz, Andreas Müller, Sebastian Wotschke oder Tino Thömel traf. Bei den Chemnitzer Radsporttagen Anfang September erzielte er im Dernyrennen über 23 km einen ersten Podiumsplatz, als er hinter A-Fahrer Sebastian Vogel vom SV Remse (zuletzt Team Isaac Torgau) den zweiten Platz belegte. Hier hatte sich das harte Training auf der Bahn hinter dem Derny von Frank Röglin ausgezahlt. Beim Kriterium Rund in Schwanebeck konnte er richtig überzeugen, als er mit Marcel Kalz und Arne Kenzler von den Maloja Pushbikers sowie mit seinem Mannschaftskameraden Yalmaz Habash einen Rundengewinn erzielte und am Ende Dritter vor Yalmaz Habash wurde, dessen vierter Platz ebenfalls Beachtung fand.

Letzterer steigerte sich dann beim Neuenhagener Kriterium, wo er als Dritter hinter Michael Kopf von den Zehlendorfer Eichhörnchen und Willi Thielebeule vom Team Isaac Torgau auf dem Podium stand. Diesen Platz erreichte er auch beim Strausberger Radsportwochenende, als für B- und C-Fahrer immerhin 115 km zurückzulegen waren und nicht weniger als vier Syrer der NRVg. Luisenstadt das Rennen bestimmten. Für Nazir Jaser – immerhin schon Zweiter des 154,3 km langen Jedermann-Rennens bei den Cyclassics in Hamburg - sprang dabei sogar der erste Sieg vor Felix Fritzsch von der RSG Stollberg heraus, der ihn in die B-Klasse aufsteigen ließ. Am Sieg ihres Kapitäns des Jahrgangs 1989 hatten neben dem frischgebackenen Papa Yalmaz Habash (Jahrgang 1985) auch die jungen Nabil Allaham (Jahrgang 1992) und Tarek Al Moakee (Jahrgang 1997) großen Anteil, die selbst noch auf den Plätzen 6 und 7 landeten und hier ihre bisher besten Ergebnisse erzielten. Dagegen hat sich Naim Masri (Jahrgang 1996) inzwischen der BMX-Szene zugewandt, wo allerdings noch keine Ergebnisse von ihm bekannt geworden sind.

Bemerkenswert beim Strausberger Rennen war die Tatsache, dass das mit starken Fahrern wie Hannes Augustin, Sebastian Schmiedel und Tobias Magdeburg angetretene KED-Stevens Rad Team gegen die Phalanx der Syrer machtlos schien und durch Tobias Magdeburg auf dem vierten Rang die beste Platzierung erzielte, während Hannes Augustin auf Platz 15 und Sebastian Schmiedel auf Rang 18 im geschlagenen Hauptfeld landeten.

Es scheint so, als ob sich die vier Syrer, die im Straßenrennsport erste Farbtupfer gesetzt haben, bestens in Berlin akklimatisiert haben und von ihnen noch einiges in der Zukunft zu erwarten ist. Schön wäre es, wenn sie auf der Suche nach einer 3-Zimmer-Wohnung fündig werden, denn dann ließen sich gemeinsame Renn- bzw. Trainingstage noch besser organisieren. Für die sympathischen Jungs aus dem fernen Syrien wäre das ein perfekter Abschluss ihres ersten Jahres in der neuen Heimat.

Bernd Mülle   

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