Theo Reinhardt unterliegt geballter Olympiasiegerkonkurrenz

Theo Reinhardt unterliegt geballter Olympiasiegerkonkurrenz

- Aber die Nominierung zur Berliner Sportlerwahl war aller Ehren wert –

 

Am Samstag wurden bei festlicher Atmosphäre Berlins Sportler des Jahres 2016 im Hotel Estrel geehrt und die 2.400 Gäste erlebten eine rauschende Ballnacht. Die Sportler wurden mit stehenden Ovationen gefeiert und insbesondere der mit dem zum dritten Mal vergebenen Manfred von Richthofen-Solidaritätspreis ausgezeichnete Turner Andreas Toba wurde nahezu mit Beifall überschüttet. Seine Leistung bei Olympia, als er nach dem diagnostizierten Kreuzbandriss beim Bodenturnen unter großen Schmerzen seine Übung am Pauschenpferd absolvierte und seiner Mannschaft somit den Finalplatz sicherte, ist nicht hoch genug zu bewerten und so war diese Auszeichnung mehr als verdient.

 

In der 38-jährigen Geschichte der Wahl zum Berliner Sportler des Jahres gab es für Berlins Radsportler schon einige Ausnahmekönner, die sich durchsetzen konnten, u.a. Rainer Podlesch (1982 und 1983), Mike Kluge (1987), Jens Fiedler (1992), Erik Zabel (1997 und 2001), Robert Bartko (2000) und zuletzt Jens Voigt im Jahre 2006. Da hatte es dieses Mal Theo Reinhardt als immerhin einziger nominierter Radsportler unter zehn Kandidaten mehr als schwer gegen die riesige Konkurrenz der vielen Olympiasieger und Weltmeister. Der 10. Platz mit 2,74 % der Stimmen mag vielleicht für ihn persönlich ein wenig enttäuschend sein, aber er sollte sich nicht grämen und seine vorhandene Klasse bei den demnächst anstehenden Sechstagerennen in Bremen und Berlin unter Beweis stellen. Das Ziel des 26-jährigen Berliners als exzellenter Bahnfahrer kann nur die erneute Olympiateilnahme in vier Jahren sein und vielleicht kann er danach doch einmal bei der Sportlerwahl in die Fußstapfen eines Jens Voigt treten.

 

Gegen einen Marcus Groß, der mit 16,05 % der Stimmen die Sportlerwahl bei den Männern als zweimaliger Goldmedaillengewinner im Kanusport gewann, hatte nicht nur Theo Reinhardt keine Chance. Auch Diskus-Olympiasieger Christoph Harting und Mannschafts-Europameister im Handball Fabian Wiede mussten sich mit 15,73 % bzw. 15,30 %, wenn auch äußerst knapp, geschlagen geben. Bei den Frauen wurde Lisa Unruh mit 20,07 % der Stimmen zur Berliner Sportlerin des Jahres gekürt, die in Rio de Janeiro überraschend eine Silbermedaille im Bogenschießen erkämpft hatte. Auf dem zweiten Platz landete die unverwüstliche Marianne Buggenhagen mit ihrer 14. Medaille bei den Paralympischen Spielen seit 1992 vor der Tischtennis-Spielerin Petrissa Solja, die bei Olympia Mannschafts-Silber holte und mit dem ttc berlin eastside das Triple gewann.

 

 Einen harten Kampf um den Titel „Mannschaft des Jahres“ lieferten sich die BR Volleys mit den Füchsen Berlin, der mit 21,09 % der Stimmen zugunsten der Volleyballer ausging. Als erstmaliger Triple-Sieger (europäischer CEV-Cup, Deutscher Pokal und Deutsche Meisterschaft) gaben sie den Füchsen Berlin, die als Klub-Weltmeister im Handball 18,53 % der Stimmen auf sich vereinigten, das Nachsehen. Mit 11,66 % Stimmenanteil landeten die Fußballer von Hertha BSC auf dem dritten Platz, die sich aber mit dem erneut zum Trainer/Manager des Jahres gewählten Pal Dardai (22,76 %) schadlos hielten. Dagegen hatten Füchse „Macher“ Bob Hanning mit 15,50 % und BR Volley-Coach Roberto Serniotti mit 13,52 % der Stimmen trotz ebenfalls großer Erfolge nur das Nachsehen. Leider nahm Pal Dardai erneut nicht die Siegertrophäe persönlich in Empfang, was bereits im letzten Jahr verwunderte. Nach dem Heimspiel gegen Werder Bremen war ihm offensichtlich die unerwartete Niederlage auf den Magen geschlagen und nicht nach Feiern zumute.

 

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die Wahl der Juniorsportler des Jahres, wo dieses Mal Rebecca Langrehr (Moderner Fünfkampf), die Schwimmerin Janina Breuer, der Kanute Jacob Schopf und der Wasserspringer Patrick Kreisel die Ehrung entgegennehmen konnten. Dem noch etwas sprachlosen Patrick Kreisel stand ein Patrick Hausding zur Seite, der nach seiner Wahl zum Berliner Sportler des Jahres im Jahre 2010 dieses Mal bei den Männern den vierten Platz belegt hatte. Vielleicht kann im nächsten Jahr auch hier einmal ein Berliner Radsportler zum Juniorsportler des Jahres gewählt werden, denn mit Calvin Dik vom RSV Werner Otto und Elias Richter vom Marzahner RC 94 verfügt der Berliner Radsport über zwei große Talente, die schon als Jugendfahrer deutsche Meistertitel errungen haben.

 

Einen weiteren Sonderpreis der Sportmetropole Berlin erhielt mit Michael Stiebitz ein Mann, der sich seit über 25 Jahren als Unternehmer im Sport engagiert und darüber hinaus Präsident des Berliner Hockey-Clubs ist und sogar als Trainer zeitweise aktiv am sportlichen Geschehen teilnimmt.

 

Ein abschließendes Wort sei auch noch den beiden Moderatoren des Abends gewidmet, die mit lockerer Art durch das Programm führten. Für Britta Steffen, als viermalige Berliner Sportlerin des Jahres (2007-2010), war es eine Premiere im Hotel Estrel an der Seite eines schon routinierten Matthias Killing, wo sich beide gut ergänzten und keine Langeweile aufkommen ließen.

 

Bernd Mülle  

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