Tilla Geisler, Paul Fietzke und Jamie Whitcher Sieger der kids-tour Berlin

Der Nachwuchs auf den Spuren von John Degenkolb und Maximilian Schachmann

Diese für die Klassen U 13 und U 15 vorgesehene, in Europa nahezu einmalige Rundfahrt hat auch in diesem Jahr wieder für ein ansehnliches Starterfeld mit Fahrern aus Belgien, Slowenien, Finnland, Österreich, Lettland, Niederlande, Großbritannien, Luxemburg und aus fast allen deutschen Landesverbänden gesorgt. Bei der jetzt 26. Internationalen kids-tour gab es auch eine Neuerung mit dem erstmals separat ausgetragenen Rennen für die Schülerinnen U 15, die 12 Mannschaften mit insgesamt 43 Fahrerinnen am Start hatten. Von Beginn an dominierend die schon im letzten Jahr positiv aufgefallene Tilla Geisler von den Brandenburg Girls 1, die gleich im Einzelzeitfahren über 10 km in 15:09,82 Minuten vor Franzi Arendt vom RSC Turbine Erfurt in 15:24,29 Minuten gewann, wobei die Belgierin Xaydee van Sinaey vom Cannibal Team auf den dritten Platz verwiesen wurde. Für die Schülerinnen des Landesverbandes Berlin Maria Ly Thus, Josephine Zacke und Lilli Marz, leider nur zu dritt angetreten, blieben nur hintere Ränge übrig, aber hier ging es allein um den Lernprozess für die jungen Damen, der den späteren Weg erst bestimmen wird. In der Mannschaftswertung lag nach dem Einzelzeitfahren das niederländische Team Cycliste St. Luc in Führung vor dem RSC Turbine Erfurt und dem Team BMC Mittelfranken.

In der Altersklasse der Schüler U 13 gab es einen dreifachen deutschen Erfolg durch Louis Gentzik vom Landesverband Hessen, der für die 10 km eine Zeit von 15:56,88 Minuten benötigte und dabei Paul Fietzke vom Landesverband Brandenburg 1 um 15 Sekunden und Eric Meinberg vom Landesverband Thüringen um 27 Sekunden distanzierte. Einen hervorragenden 11. Platz belegte Toni Holst vom Landesverband Berlin-AOK, der 55 Sekunden Rückstand aufwies und unter 92 Platzierten mit seinem Ergebnis mehr als zufrieden sein konnte. Mit seinen Teamkameraden Benjamin Kühne-Fernández, Luis Engelhardt und Max Geppert erreichte er ebenfalls den 11. Platz in der Mannschaftswertung unter den 23 Teams, von denen sich der Landesverband Brandenburg 1 vor dem Landesverband Sachsen 1 und dem Landesverband Thüringen durchsetzte. Bestes Mädchen war Antonia Betzinger vom Team BMC Mittelfranken und bester Sportler des jüngeren Jahrgangs war Silas Bossong vom Landesverband Rheinland-Pfalz.

Das größte Starterfeld stellten die Schüler U 15 mit 112 Fahrern verteilt auf 28 Teams und erstmals seit Jahren zeigten sich die Lokalmatadoren vom Landesverband Berlin-AOK in hervorragender Form. Hinter dem Briten Jamie Whitcher vom Cannibal Team, der die 10 km in 14:19,45 Minuten zurücklegte, belegte der Luxemburger Mathieu Kockelmann vom Team Differdange Kids mit acht Sekunden Rückstand Platz zwei vor dem sensationell starken Berliner Erik Leonhardt, der nur zehn Sekunden preisgeben musste. Auch die Leistungen von Friedrich von Korff, mit 14 Sekunden Rückstand auf Platz 6, Paul Quabs als 20. und Felix Fleischmann auf Platz 27 konnten sich durchaus sehen lassen. Das bedeutete in der Mannschaftswertung einen hervorragenden zweiten Platz hinter dem Cannibal Team und noch vor dem Landesverband Thüringen. Die zweite Berliner Mannschaft mit Yannik Schaffrath, Oskar Leben, Enno Paul Rohde und Hugo Rockstroh schlug sich mit Platz 20 auch noch recht achtbar. Ein richtiges Achtungszeichen aber hatte der erst im ersten Jahr aktive Friedrich von Korff gesetzt, der in der Wertung des jüngeren Jahrgangs zunächst einmal die Führung übernahm.

Der zweite Tag begann im Gewerbegebiet Willmersdorf mit den Mannschaftszeitfahren über jeweils 10,4 km, das bei den Schülern U 13 vom LV Sachsen 1 in 15:52,57 Minuten mit 13 Sekunden vor dem LV Brandenburg 1 und dem LV Thüringen gewonnen wurde, der 22 Sekunden verlor. Großartig war hier die Leistung des LV Berlin-AOK auf Platz 4 mit 35 Sekunden Rückstand, dessen U 15 Mannschaft ebenfalls Platz 4 mit sogar nur 27 Sekunden Rückstand belegte und erneut mit geschlossener Mannschaftsleistung überzeugen konnte. Hier siegte Thüringen in 13:56,99 Minuten vor dem Cannibal Team und Brandenburg 1, die sieben bzw. zehn Sekunden zurücklagen, während für Berlins zweites Team der 20. Platz registriert wurde. Im Rennen der Schülerinnen war das Team vom RSC Turbine Erfurt in 15:35,25 Minuten nur eine Sekunde vor dem niederländischen Team Cycliste St. Luc und dem Cannibal Team, das 19 Sekunden zurücklag, erfolgreich.

Am Nachmittag des gleichen Tages und auf gleicher Strecke standen für alle Altersklassen die Straßenrennen „Rund um Willmersdorf“ auf dem Programm, die allesamt heiß umkämpft waren und leider auch durch Stürze beeinflußt wurden. Im Massenspurt der Schüler U 13 feierte das Cannibal Team nach gefahrenen 20,8 km durch den Belgier Nicolas Aernouts einen umjubelten Sieg, als er Florian Markert vom Team LV Sachsen 1 und den Slowenen Jakob Omrzel vom Team Adria-Mobil auf die weiteren Podiumsplätze verwies. Erneut schlugen sich die Berliner mit Platz 13 für Luis Engelhardt und Platz 14 für Toni Holst ausgezeichnet, so dass sie auch in der Gesamtmannschaftswertung einen sehr guten 6. Platz hinter dem führenden Team Brandenburg 1 belegten und auch in der Gesamteinzelwertung vor dem Finaltag mit Toni Holst auf Platz 11 ausgezeichnet platziert sind. Hier führt nun Paul Fietzke vom LV Brandenburg 1 vor Antonio Hoeßer vom LV Sachsen 1 und Louis Gentzik vom LV Hessen, wobei der Vorsprung von vier bzw. acht Sekunden ein spannendes Finale verspricht.

Auch das 41,6 km lange Rennen der Schüler U 15 endete in einem Massenspurt von 65 Fahrern, in dem sich Lucas Küfner vom LV Thüringen durchsetzte und den Niederländer Jasper Huitema vom Cannibal Team sowie Nicolas Zippan vom LV Brandenburg 1 hinter sich ließ. Zeitgleich kamen auch die Fahrer des LV Berlin-AOK ins Ziel, aber für den bestplatzierten Paul Quabs blieb lediglich Platz 34 übrig. Bester Berliner in der Gesamtwertung hinter dem führenden Jamie Whitcher vom Cannibal Team ist Erik Leonhardt auf Platz 8, der mit seinen Teamkameraden vor dem Finaltag einen ausgezeichneten 3. Rang in der Gesamtmannschaftswertung hinter dem Cannibal Team und dem LV Thüringen einnahm. Hinzu kommt die tolle Leistung von Friedrich von Korff, der die Führung bei den Fahrern des jüngeren Jahrgangs behauptete.

Ein Lob gilt dem Vorsitzenden der Jury Klaus Tast aus Langenhagen: das ursprünglich auch über 41,6 km vorgesehene Rennen der Schülerinnen U 15 wurde um eine Runde sinnvoller Weise verkürzt, die damit nur 31,2 km zurückzulegen hatten. Das entsprach eher dem Leistungsvermögen der jungen Athletinnen und so war diese spontane, unbürokratische Handlung des Jury-Vorsitzenden nachvollziehbar. Leider trug diese gute Entscheidung nicht zur Belebung des Rennens bei, das ohne große Aktivitäten eher langweilig verlief. Da könnten sich die Schülerinnen ins eigene Fleisch geschnitten haben, denn so wird sich der Veranstalter überlegen, ob er in Zukunft erneut ein separates Mädchenrennen veranstaltet. Unabhängig davon setzte das Team Cycliste St. Luc dem Rennen am Ende die Krone auf, das im Massenspurt mit einem selten gesehenen Dreifachtriumph durch Nienke Veenhoven vor Anna van der Meiden und Britt de Grave glänzte. Überraschend und deshalb durchaus erwähnenswert war hier der 22. Platz der Berlinerin Lilli Marz, die zeitgleich ins Ziel kam. Vor dem Schlusstag führt Franzi Arendt vom RSC Turbine Erfurt mit vier Sekunden Vorsprung vor Tilla Geisler von den Brandenburg Girls 1 die Gesamtwertung an mit den drei Niederländerinnen Nienke Veenhoven, Anna van der Meiden und Britt de Grave im Nacken, die den 1. Platz in der Gesamtteamwertung vor dem RSC Turbine Erfurt und dem Team BMC Mittelfranken innehaben.

Vor dem großen Finale der 26. Internationalen kids-tour Berlin gab es für alle Teilnehmer-/innen die seit Jahren übliche Mannschaftsvorstellung mit der Übergabe der immer wieder beliebten Erinnerungsmedaillen. Den Anfang machten die Schüler U 13, die anschließend im Rennen über 23,4 km wieder im Massenspurt von 39 Fahrern den Sieger ermittelten, der wie am Vortag Nicolas Aernouts aus dem Cannibal Team hieß und gegen den Colin Rudolph vom LV Sachsen 1 sowie Paul Fietzke vom LV Brandenburg 1 keine Chance hatten. In diesem Rennen erreichte das Feld überwiegend in zwei geschlossenen Gruppen das Ziel, wobei die zweite etwa 1:45 Minuten zurücklag. Erneut fuhr das Berliner Talent Toni Holst auf einen ausgezeichneten 9. Platz, der mit dem 10. Platz in der Gesamteinzelwertung ein weiteres gutes Ergebnis erzielte und mit seinen Teamkameraden Luis Engelhardt, Benjamin Kühne-Fernández und Max Geppert auf Platz fünf der Gesamtteamwertung landete. Darüber hinaus ist der zweite Platz von Toni Holst in der Gesamtsprintwertung zu erwähnen, die von Colin Rudolph souverän gewonnen wurde. Gesamtsieger wurde schließlich Paul Fietzke mit 15 Sekunden Vorsprung vor Antonio Hoeßer vom LV Sachsen 1 und Louis Gentzik vom LV Hessen, der nur eine weitere Sekunde Rückstand hatte. Bestes Mädchen dieser Altersklasse war Sandrine Weber vom LV Mecklenburg-Vorpommern und bester Sportler des jüngeren Jahrgangs war Zeno Levi Winter vom LV Sachsen 1.

Nach Übergabe der Erinnerungsmedaillen sorgten die Schüler U 15 für einen spannenden Rennverlauf über 15 Runden zu je 2,93 km und bei einem Schnitt von rund 40,5 km/h siegte am Ende mit Natan Gregorcic ein Slowene vom Team Adria Mobil 1, der mit einigen Längen Vorsprung die Ziellinie überquerte. Der Österreicher Luca Oberlechner sprintete auf Platz zwei vor Luca Kasnya vom LV Sachsen, während als bester Berliner Erik Leonhardt im Massenspurt Platz 14 belegte. Es war ein hektisches Rennen, in dem mit dem Luxemburger Mathieu Kockelmann und dem Slowenen Gregor Podlesnik zwei Fahrer wegen unsportlichem Verhalten disqualifiziert werden mussten. Darüber hinaus beendeten nicht weniger als 23 Fahrer das Rennen überwiegend aufgrund zu großen Rückstandes nicht. In der Gesamtwertung triumphierte der Brite Jamie Whitcher vom Cannibal Team vor dem Sieger der Sprintwertung Morice Ostermann vom LV Thüringen und Nicolas Zippan vom LV Brandenburg 1, während auf Berliner Seite der 9. Platz von Erik Leonhardt und der 11. Platz von Friedrich von Korff mehr als überzeugen konnten.

„Die ersten zwei Etappen liefen gut bei mir, dann bin ich auf der 3. Etappe weggerutscht und gestürzt, so dass ich heute Anschlag gefahren bin, um dranzubleiben“, sagte der junge Friedrich von Korff, der eine sensationelle Leistung mit dem Gewinn der Wertung für den besten Sportler des jüngeren Jahrgangs bot. Er vergaß dabei nicht seine Teamkameraden zu erwähnen, die sich für ihn toll eingesetzt hatten und mit denen er noch in der Gesamtteamwertung einen hervorragenden 3. Platz hinter den Siegern vom Cannibal Team und den Zweitplatzierten vom LV Thüringen belegte.

Für die Schülerinnen U 15 ging es am Schlusstag um Wiedergutmachung für die gestrige, verbummelte Etappe und so waren die mahnenden Worte des Sprechers Wolfgang Schmidt vor dem Start bei den jungen Damen offensichtlich angekommen, denn das über 35 km laufende Rennen war alles andere als langweilig. Die jungen Damen steigerten die Durchschnittsgeschwindigkeit von 33,7 des gestrigen Tages auf immerhin 36,8 km/h und dabei gab es etwa zur Hälfte der Distanz den alles entscheidenden Ausreißversuch der zum Favoritenkreis zählenden Tilla Geisler von den Brandenburg Girls 1, die mit tollem Alleingang einen Vorsprung von 1:25 Minuten auf das Hauptfeld herausfuhr, aus dem Clara Schneider

von den Brandenburg Girls 2 auf den zweiten Platz vor Franzi Arendt vom RSC Turbine Erfurt sprintete. „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, aber nicht unbedingt damit gerechnet, dass ich noch den Gesamtsieg schaffe“, gab Tilla Geisler unmittelbar nach dem Rennen zu Protokoll und freute sich nach ihrem diesjährigen Deutschen Meistertitel auf der Straße über einen weiteren Erfolg in dieser Saison, in der sie bereits schon 16 Siege eingefahren hatte.

Am Ende hatte sie in der Gesamteinzelwertung die Nase vorn und distanzierte dabei ihre schärfste Rivalin Franzi Arendt um 1:25 Minuten, während die Drittplatzierte Nienke Veenhoven vom Team Cycliste St. Luc 1:45 Minuten zurücklag. Deren Team, das sehr ausgeglichen besetzt war, gewann relativ klar die Gesamtteamwertung vor dem RSC Turbine Erfurt und dem Team BMC Mittelfranken.

Der rührige Veranstaltungsleiter Michael Lemke hatte wie seit Jahren für eine überwiegend gelungene Veranstaltung gesorgt, die insbesondere bei den auswärtigen Gästen immer wieder gut ankommt. Dennoch gab es einige Dinge zu konstatieren, die geändert bzw. verbessert werden könnten. So war gerade am letzten Tag die Zeitspanne zwischen den Rennen teilweise zu groß und führte zu unnötigem Leerlauf, zumal zu bedenken ist, dass alle Teilnehmer am Schlusstag die zum Teil sehr lange Heimreise noch zu bewältigen haben. Vom Ablauf her bietet es sich auch an, dass das Rennen der Schülerinnen nicht zum Schluß ausgetragen werden sollte, sondern eher vor dem eigentlichen Hauptrennen der Schüler stattfindet. So fuhren die Mädchen in ihrem Finale vor nur noch wenigen Zuschauern, die ein diesmal sehr zügiges Rennen mit einem beherzten Alleingang der Siegerin verpassten.

Auch in diesem Jahr gab es am letzten Tag wieder ein kids-Jedermannrennen und das allseits beliebte und faszinierende Laufradrennen der Kleinsten, das einmal mehr einen Höhepunkt darstellte. Aller Anfang ist schwer und das haben auch die Jüngsten schon feststellen können, aber sie alle waren mit großer Begeisterung bei der Sache und vielleicht haben sie an diesem Tag den Grundstein für eine spätere Karriere gelegt.

Bernd Mülle

  

Letzte Änderung am Mittwoch, 29 August 2018 10:46
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