Maximilian Schachmann aus Berlin wird U 23-Meister im Einzelzeitfahren

- Deutsche Meisterschaften in Thüringen gut organisiert –
 
Am letzten Wochenende fanden in Thüringen die Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren und Straßenrennen statt, die von der TeamSpirit GmbH mit ihrem Rennleiter Jörg Werner hervorragend organisiert wurden. Fünf Titel waren am Freitag und Sonntag zu vergeben, nachdem bereits eine Woche zuvor in Berlin die Deutschen Straßenmeisterschaften der Klasse U 23 im Rahmen des Velothon zu Gunsten von Pascal Ackermann vom rad-net ROSE Team entschieden worden waren.
 
Es begann in Streufdorf/Gemeinde Straufhain am Freitag mit dem Einzelzeitfahren der U 23 über 41 km und hier gab es für den Berliner Maximilian Schachmann einen relativ souveränen Sieg. Strahlender Sonnenschein mit Temperaturen um die 35 Grad führte zu einem besonders anspruchsvollen Wettbewerb, der sich darüber hinaus mit kurvenreichen und hügeligem Verlauf nicht für alle als ideal darstellte. Für Maximilian Schachmann vom Kontinentalteam Klein Constantia schienen die Bedingungen sekundär zu sein, denn souverän erzielte er als viertletzter Starter mit 51:37,31 Minuten eine Zeit, die von keinem mehr zu toppen war. Auf den weiteren Podiumsplätzen landeten die rad-net ROSE Fahrer Jan Tschernoster und Marco Mathis, die zusammen mit Patrick Haller das zur Rad-Bundesliga zählende Rennen in der Tagesmannschaftswertung dominierten.
 
Für Maximilian Schachmann, schon international mit Medaillen in seiner Spezialdisziplin dekoriert, war es der erste Deutsche Meistertitel und auch gleichzeitig der erste Saisonsieg. Mit diesem Erfolg hat er sich eindrucksvoll für einen Profivertrag bei einem WorldTour Team in der nächsten Saison empfohlen, wofür wir ihm kräftig die Daumen drücken.
 
Eine bemerkenswerte Leistung lieferte auch Sebastian Schmiedel vom KED-Stevens Rad Team Berlin ab, der noch Anfang der Woche beim Training auf der Strecke bei einer Kollision mit einem Auto starke Knie- und Ellbogenverletzungen erlitt und auf den letzten sechs Kilometern vor dem Ziel mit großen Schmerzen zu kämpfen hatte. Seine Leistung als bester Fahrer des Berliner Teams mit einer Fahrzeit von 55:22,33 Minuten auf Platz 19 war aller Ehren wert. Zusammen mit seinen Teamkameraden Tobias Magdeburg, der als 24. ebenfalls überzeugte und Erik Schubert auf Platz 33 gelang es ihm, sein Team noch aussichtsreich in der Gesamtmannschaftswertung der Rad-Bundesliga zu platzieren, wo sie mit 47 Punkten auf Platz 5 rangieren.
 
Seinen fünften Titel in Folge und seinen insgesamt sechsten erreichte bei der Elite die deutsche Olympiahoffnung Tony Martin von Etixx-Quick Step, der mit einer Fahrzeit von 49:14,01 Minuten für die 41 km lange Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 49,97 km/h erzielte. Es war eine wahre Hitzeschlacht und auch die Zuschauer suchten teilweise vergeblich nach einem schattigen Plätzchen. Ein ganz starkes Rennen fuhr auch Jasha Sütterlin vom Movistar Team, der zwar 1:39 Minuten auf den überragenden Tony Martin verlor, aber die Silbermedaille vor Nils Politt vom Team Katusha errang, der 2:23 Minuten einbüßte. Der Junioren-Weltmeister im Einzelzeitfahren von 2014, Lennard Kämna von der Stölting Service Group, blieb dagegen etwas hinter den Erwartungen zurück und verlor als 10. über vier Minuten. Für einen negativen Beigeschmack sorgte Stefan Schumacher von Christina Jewelry Pro Cycling, der von dem zwei Minuten hinter ihm gestarteten Tony Martin überholt wurde und wegen Fahrens im Windschatten über eine längere Distanz mit einer Zeitstrafe von 90 Sekunden belegt wurde.
 
Nahezu sensationell verlief am Nachmittag das Rennen der Frauen, in dem die lange verletzte Trixi Worrack zum Titel fuhr. „Ich bin sprachlos und weiß nicht was ich sagen soll“, sprach die neue Deutsche Meisterin vom Team Canyon SRAM Racing auf der Pressekonferenz. Vor drei Monaten der schwere Sturz, der ihr eine Niere kostete, nach sechs Wochen Ungewissheit über ihre weitere sportliche Laufbahn saß sie wieder auf dem Rad und errang den Titel bei brütender Hitze gegen starke Konkurrenz. Die große Favoritin, ihre Teamkameradin Lisa Brennauer, musste sich mit der Bronzemedaille hinter der unerwartet starken Stephanie Pohl vom Cervelo Bigla Pro Cycling Team begnügen, war aber nicht unzufrieden darüber, zumal ihr Sturzverletzungen sowie Darm- und Magenprobleme in den letzten Tagen zugesetzt hatten.
 
Andre Greipel sorgt bei Straßen-DM für Enttäuschung bei Marcel Kittel
- Mieke Kröger gewinnt im Alleingang bei den Frauen –
 
Am Schlusstag in Erfurt wurden die Straßenmeisterschaften auf einem 15,4 km langen Rundkurs ohne nennenswerte Schwierigkeiten ausgetragen. Dabei hatten die Frauen sieben Runden über 107,8 km zu absolvieren und die 78 Fahrerinnen starteten mit vielen Attacken, die aber nicht mehr als 50 Sekunden Vorsprung einbrachten. Später war es Gudrun Stock vom Team Koga Ladies, die mit Stefanie Paul vom Team Stuttgart einen Ausreißversuch unternahm, der bis zu 43 Sekunden Vorsprung am Ende der vierten Runde führte. Eine neue 11-köpfige Gruppe bildete sich dann am Anfang der vorletzten Runde, darunter u.a. Trixi Worrack, Lisa Brennauer und Mieke Kröger vom Team Canyon SRAM Racing sowie Stephanie Pohl vom Cervelo Bigla Pro Cycling Team, Romy Kasper von Boels Dolmans und Claudia Lichtenberg von Lotto Soudal Ladies, aus der sich später Mieke Kröger und die starke Romy Kasper lösen konnten.
 
In der letzten Runde konnte dann Romy Kasper das Tempo von Mieke Kröger nicht mehr mitgehen und so erreichte Mieke Kröger das Ziel im Alleingang mit 10 Sekunden vor dem Hauptfeld. Beachtlich auch das Stundenmittel von 39,69 km nach einer Fahrzeit von 2:42,57 Stunden und Mieke Kröger war die neue Deutsche Meisterin vor ihrer den Spurt des Hauptfeldes gewinnenden Teamkameradin Lisa Brennauer und der sensationell Drittplatzierten Jenny Hofmann von den Sparkassen Girls Leipzig. Diese war als ehemalige Kurzzeitathletin erst im letzten Jahr in den Ausdauerbereich gewechselt und konnte im Massenspurt bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft in der Frauenklasse ihre Schnelligkeit ausspielen.
 
Für einen durchaus möglichen, aber so nicht unbedingt erwarteten Ausgang hatten die Männer bei ihrem Rennen über 215,6 km gesorgt. Obwohl der zum Teil heftige Wind auf dem topographisch nicht sehr anspruchsvollen Kurs einige Unwägbarkeiten zuließ, rechneten alle mit einem Massenspurt und vor der eigenen Haustür auch mit dem Sieg des Weltklassesprinters Marcel Kittel von Etixx-Quick Step. Aber bekanntlich hat er im eigenen Land zur Zeit mit Andre Greipel von Lotto Soudal seinen härtesten Widersacher bei Spurtankünften und so war große Spannung angesagt.
 
Am Start standen 199 Fahrer, nachdem der offensichtlich über seine Zeitstrafe beim Einzelzeitfahren verärgerte Stefan Schumacher von Christina Jewelry Pro Cycling auf den Start verzichtet hatte. Das Rennen war sehr bewegt mit vielen Ausreißversuchen, die aber immer wieder zum Scheitern verurteilt waren. Auch eine Gruppe um Andre Greipel schaffte keine Vorentscheidung und es war vor allem Tony Martin, der für seinen Teamkameraden Marcel Kittel das Tempo im Feld hochhielt und eine bärenstarke Leistung bot. Eine letzte Gruppe mit Michael Schwarzmann von Bora-Argon 18, Grischa Janorschke vom Team Roth und Yannick Mayer von Veranclassic-Ago wurde 2.500 Meter vor dem Ziel eingefangen und die Sprinter begannen sich zu sortieren. Als noch etwa ein Kilometer zu fahren war, gab es einen Sturz, der das Feld auseinanderriss. Diese Situation versuchte Nils Politt vom Team Katusha zu nutzen und startete eine letzte Attacke, die aber von den Sprintern zunichte gemacht wurde.
 
Mit unwiderstehlichem Antritt war es schließlich Andre Greipel, der sich seinen dritten Deutschen Meistertitel sicherte. Einen sensationellen zweiten Platz belegte der am Jahresanfang so schwer gestürzte Maximilian Walscheid vom Team Giant-Alpecin vor dem enttäuschten Marcel Kittel und dem U 23-Meister Pascal Ackermann, der erneut seine hervorragende Form unter Beweis stellte.
 
Gut schlug sich auch das Berliner Eliteteam KED-Stevens, dass mit Moritz Malcharek auf Platz 34 und Luca Niederlag auf Rang 38 zwei Fahrer zeitgleich mit dem Sieger ins Ziel brachte. Darüber hinaus gestaltete das Team sogar das Rennen einmal von der Spitze aus mit und unterstrich als jüngstes Bundesligateam sein vorhandenes Potenzial.
 
Bernd Mülle
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