105. Berliner Sechstagerennen - Tag 6

Verdienter Erfolg für Kenny de Ketele/Moreno de Pauw

- Furioser Auftakt zum Finale in den Wertungssprints -

Das 105. Berliner Sechstagerennen endete mit dem verdienten, aufgrund der Konstellation des Vortages, erwarteten Sieg der Belgier Kenny de Ketele/Moreno de Pauw, die in der 60-minütigen Finaljagd nur noch auf Vorstöße von Roger Kluge/Marcel Kalz oder Yoeri Havik/Nick Stöpler reagieren mussten.

Nach den Wertungssprints zu Beginn des Abends hatte man eigentlich eine furiose Finaljagd erwartet, aber davon war in den ersten 40 Minuten kaum etwas zu spüren. Die Teams bewachten sich derart scharf und bei jedem Vorstoß einer Spitzenmannschaft klebten die Belgier an deren Hinterrädern, so dass Roger Kluge/Marcel Kalz und die immer wieder attackierenden Niederländer langsam verzweifelten.

Erst 20 Minuten vor dem Ende konnten die beiden Teams einen Rundengewinn erzielen und so keimte Hoffnung bei den Fans von Roger Kluge/Marcel Kalz auf, die nur noch eine Runde Rückstand und dabei das leicht bessere Punktekonto hatten. Es tobte die Halle, als die Lokalmatadoren nach dem von den Belgiern gewonnenen dritten Wertungssprint 20 Runden vor Schluß einen Ausreißversuch starteten, der ihnen schnell einen Vorsprung von einer halben Runde einbrachte.

„Die Schweißperlen standen mir auf der Stirn“, sagte Kenny de Ketele auf der abschließenden Pressekonferenz und war sehr glücklich über seinen zweiten Triumph im Berliner Velodrom nach 2014. Die Fahrweise der beiden Belgier insbesondere in der 5. Nacht war einfach beeindruckend, wenngleich es den Anschein hatte, dass Moreno de Pauw in den Schlussminuten am Limit war.

Bedanken konnten sich die Belgier auch bei den einfach sensationell fahrenden Briten Germain Burton/Mark Stewart, die als Vierte der Gesamtwertung überzeugten und in der finalen Verfolgung von Roger Kluge/Marcel Kalz an der Spitze des Feldes für Tempo sorgten. Die Lokalmatadoren gewannen zwar den Schlussspurt, aber den angestrebten, durchaus aussichtsreichen Rundengewinn hatten sie nicht mehr realisieren können.

Vor gut besuchten Zuschauerrängen begann der Abend mit einigen prominenten Gästen wie dem Sieger des ersten Sechstagerennens 1997 im Velodrom Olaf Ludwig und dem Bundestrainer im Kurzzeitbereich Detlef Uibel, der vom stellvertretenden Präsidenten des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) Peter W. Streng für seine 25-jährige Trainertätigkeit im BDR geehrt wurde. Seine Tätigkeit geschmückt mit 65 WM-Medaillen, darunter 22 Titel, elf Olympiamedaillen, davon zwei Olympiasiege und zahlreiche Medaillen auch bei diversen Europameisterschaften wurde hier in einem passenden Rahmen gewürdigt.

Sie alle wurden Zeugen des ersten Wettbewerbs des Abends, den Wertungssprints, die sich zu einer wilden Jagd um Rundengewinne entwickelten, was man hier in Berlin so noch nicht erlebt hatte. Roger Kluge/Marcel Kalz waren es, die den Fehdehandschuh warfen, aber die führenden Belgier erwischten immer wieder die Hinterräder der Lokalmatadoren und gemeinsam erzielten sie zwei Gewinnrunden, während hier Yoeri Havik/Nick Stöpler nur einmal eine Runde gutmachen konnten. Die wilde Jagd wurde jäh durch einen Sturz des Niederländers Melvin van Zijl unterbrochen, der zur Untersuchung ins Krankenhaus und das Rennen aufgeben musste. Wer weiß, was noch möglich gewesen wäre, denn zu diesem Zeitpunkt war die Rundenhatz in vollem Gange?!

Die Revanche des Derny Europapokals gewannen die Niederländer Yoeri Havik/Nick Stöpler, das Mannschaftsausscheidungsfahren sah Andreas Graf/Roy Pieters vorn und im Scratchrennen zeigten sich Lucas Liss/Andreas Müller von ihrer besten Seite. Vor dem Finale gab es noch ein spannendes Punktefahren, das von den Dänen Marc Hester/Mathias Krigbaum dominiert wurde, die die jungen Briten Germain Burton/Mark Stewart und das immer besser harmonierende Team Tino Thömel/Nils Politt hinter sich ließen.

Bei den Sprintern gab es ein äußerst spannendes Finale zwischen Robert Förstemann und Erik Balzer, die beide vor dem letzten Sprinterlauf noch den Gesamtsieg anvisieren konnten. Nachdem Robert Förstemann im Rundenrekordfahren mit 12,521 Sekunden knapp vor Erik Balzer mit 12,546 Sekunden siegte, drehte dieser mit seinem Sieg im Keirinrennen den Spieß um und hatte vor dem letzten Lauf mit 83 Punkten nur einen Zähler weniger als Robert Förstemann auf seinem Konto. Bei einem Sieg im Zweiersprint wären beide am Ende punktgleich und Erik Balzer dann siegreich gewesen, was Robert Förstemann mit einem fulminanten Sprint aber verhinderte und so den Gesamtsieg mit 90 Punkten vor Erik Balzer mit 88 Punkten einfuhr. Für Robert Förstemann, der sowohl die kommende Weltmeisterschaft als auch die Olympischen Spiele im Sommer abgeschrieben hat und erstmal eine Pause einlegt, war dieser Erfolg vor den Augen des Bundestrainers noch einmal wichtig und so war er bei der Siegerehrung einfach nur glücklich.

Ebenso spannend mit der Entscheidung auf den letzten Metern verlief der Wettbewerb der Steher, wo Robert Retschke mit einem Punkt Vorsprung vor Stefan Schäfer zum letzten Lauf angetreten war. Letzterer musste schon vor Robert Retschke einkommen, um zumindest nach Punkten gleichzuziehen und dann aufgrund der besseren Platzierung im Finale den Weltpokal der Steher für sich zu entscheiden. Robert Retschke hatte schon einen bemerkenswerten Vorsprung vor den letzten Runden herausgefahren, als Stefan Schäfer, routiniert von Peter Bäuerlein geführt, immer näher kam und den Sieg noch aus dem Feuer riss. Hinter Stefan Schäfer und Robert Retschke mit jeweils 12 Punkten kam der beliebte US-Amerikaner Zachary Kovalcik auf einen nicht erwarteten dritten Platz in der Tages- und auch der Gesamtwertung mit 21 Punkten, während der Lokalmatador aus Berlin, Marcel Bartsch, krankheitsbedingt für das Finale vom Arzt keine Starterlaubnis mehr erhielt und mit dem fünften Platz mit 26 Punkten vorliebnehmen musste.

Auch der Nachwuchs, der für die gesicherte Zukunft der Sechstagerennen von größter Bedeutung ist, trat am Schlussabend bei den Schülern U 15 und den Junioren in Aktion. Für die Schüler stand mit dem Punktefahren über 50 Runden der letzte Wettbewerb auf dem Programm, der von den starken dänischen Gästen beherrscht wurde. Mit Luis Carl Jörgensen und Frederik Erringsö feierten sie mit 33 bzw. 19 Punkten einen Doppelsieg vor der überraschend starken Luisa Siersleben aus Bielefeld, die mit 11 Punkten Dritte vor dem besten Berliner Raul-Odin Voigt vom Marzahner RC 94 wurde. Der talentierte Berliner nahm den vierten Platz mit 72 Punkten auch im Endstand hinter Luis Carl Jörgensen (114 Punkte), Frederik Erringsö (105) und Domenik Wolf aus Gera (79) ein. Beste weibliche Teilnehmerin war Luisa Siersleben mit 59 Punkten auf Rang fünf.

Die Junioren bestritten mit dem 60 Runden Punktefahren und dem 30-minütigen Madison zwei Disziplinen, die jeweils von den bärenstarken Polen Dawid Czubak/Szymon Krawczyk dominiert wurden. Somit landeten sie mit 100 Punkten in der Gesamtwertung ungefährdet auf Platz 1 vor Maximilian Zschocke/Rico Brückner (Venusberg/Grimma) mit 78 und den Niederländern Vincent Hoppezak/Maikel Zijlaard mit 75 Punkten. Während sich die Niederländer im abschließenden Madison den zweiten Platz sicherten, gelang dieses auch den Deutschen beim Punktefahren. Bester Berliner Teilnehmer war Karlo Brüser vom SC Berlin, der mit seinem Partner Maximilian Hamberger aus Regensburg mit 37 Punkten auf dem 6. Platz einkam. Gut aus der Affäre zog sich auch Nicolas Brandt von den Zehlendorfer Eichhörnchen an der Seite von Carsten Siegel aus Lingenfeld, die Achte wurden. Für Pepe Kunert/Joe Grabowsky vom SC Berlin und Maciej-Marek Litkowski von den Zehlendorfer Eichhörnchen mit Josh Mechsner vom Berliner TSC blieben unter 16 Teams die Plätze 11 und 14 übrig.

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